Zeitungsartikel der Freiburger Nachrichten vom Mai 2004


Musikalische Früherziehung – Ein neuer Ansatz für den Einstieg in die Musik

Nicole Schafer aus Giffers hat ein Diplom in musikalischer Früherziehung. Auf spielerische und abwechslungsreiche Weise begleitet sie Kinder bei ihrem Einstieg in die Musik – als Vorbereitung, später ein Instrument zu erlernen, oder zur Förderung der musischen Seite.

Kinder lernen leichter als Jugendliche oder Erwachsene – ob dies nun eine Sprache oder ein Instrument ist, spielt keine Rolle. Auf diesem Prinzip basiert die musikalische Früherziehung. Auf spielerische Art alle Sinne umfassend, werden den Kindern die Grundlagen der Musik vermittelt – dies als Vorbereitung, um später ein Instrument zu lernen oder auch nur, um die musischen Fähigkeiten eines Kindes zu fördern.

Während die musikalische Früherziehung in Deutschfreiburg bisher nur wenig bekannt ist, gehört sie in Kantonen wie Luzern und Basel zum Grundschul-Unterricht.

In Freiburg hingegen geschieht sie über freiwilligen und ausserschulischen Unterricht. Ein Angebot gibt es auch am Konservatorium Freiburg – allerdings bisher nur in französischer Sprache.

Nicole Schafer aus Giffers bietet seit letztem Herbst Kurse in musikalischer Früherziehung an. Auf ihre Ausschreibung hin haben sich in den Gemeinden Tafers, Düdingen und Wünnewil interessierte Eltern gemeldet. So gibt nun Nicole Schafer diesen Kindern gruppen- und stufenweise ausserschulischen Musikunterricht, meist am Nachmittag. Teils wird dieses Angebot von den Gemeinden finanziell unterstützt, teils ist es auf privater Basis organisiert.

Nicole Schafer arbeitet dabei nicht nur mit Instrumenten, sondern versucht, die Freude am Musizieren über das Erleben zu wecken. So wird zum Beispiel eine Geschichte in einem Bilderbuch musikalisch umgesetzt. Oder die Kinder ahmen im Takt der Musik die Gangarten von Tieren nach, indem die zum Beispiel wie Frösche hüpfen oder wie Elefanten stampfen.
Einen eigentlichen Lehrplan gibt es nicht, sondern nur Richtlinien. Am Ende der Kurse kennen die Kinder – je nach Stufe, von der Spielgruppe bis zur zweiten Klasse – die Notennamen und –werte, können Rhythmen und musikalische Eigenschaften (z.B. laut-leise, schnell-langsam, hoch-tief) unterscheiden, Lieder begleiten und Musik in Bewegung und Tanz umsetzen.

Nicole Schafer bringt zum Unterricht eigene Instrumente mit, welche die Kinder ausprobieren können, um ihr rhythmisches Gefühl und ihr Gehör zu trainieren. Nach zwei, drei Jahren Kurs in der musikalischen Früherziehung ist ein Kind gut vorbereitet, um ein Instrument zu lernen, hält Nicole Schafer fest.

Das Lernen in der Gruppe, der spielerische Ansatz, die gute Mischung aus Theorie und Praxis sind grosse Vorteile der musikalischen Früherziehung. "Es ist eine Ausbildung und kein Hütedienst", hält die Musiklehrerin fest, die deshalb auch ein wenig auf Disziplin achtet.

Sie ist aber überzeugt, dass es keine musikalisch untalentierten Kinder gibt. "Einige haben vielleicht etwas mehr Flair dafür, einen leichteren Zugang als andere." Sie wehrt sich beispielsweise gegen das Vorurteil, dass viele Kinder nicht singen können. "Mit etwas Geduld können bei jedem Kind Fortschritte erzielt werden!"

Sie sei immer wieder erstaunt, wozu Kinder fähig sind, führt die junge Frau aus. "Sie lernen sehr leicht, auch Sachen, die man als Lehrerin vielleicht im ersten Moment als zu schwierig eingestuft hat."

Wichtig sei vor allem, dass man das Thema den Kindern auf eine Weise präsentiere, dass sie es auch fassen können. "Man darf Kinder nicht unterschätzen."

Imelda Ruffieux